Versicherungen für Startups: So schütze ich das Unternehmen

Blog für Startups

Bei der Frage der notwendigen Versicherungen für Startup-Unternehmen muss die besondere Situation beachtet werden. In der Regel sind Investoren beteiligt, welche daran interessiert sind, dass ihr eingesetztes Kapital geschützt wird. Durch Versicherungen lassen sich verschiedene Risiken abfangen, so dass die Investoren wie auch die Gründer eine höhere Sicherheit erhalten. Der Abschluss von Versicherungen sichert somit die Existenz des Startup-Unternehmens und wird von vielen Investoren – z.B. im Rahmen einer Finanzierungsrunde – daher gefordert. Lesen Sie, welche Punkte Sie absichern sollten und auf welche Versicherungen auch verzichtet werden kann.

Basisversicherungen für Startups

  • Gebäudeversicherungen
  • Maschinenversicherung
  • Betriebs- und Umwelthaftpflichtversicherungen

Durch Feuer oder Naturgewalten zerstörte Gebäude gefährden die Existenz des Startup-Unternehmens und somit den Fortbestand sowie das eingesetzte Kapital. Um das Ausmaß des finanziellen Schadens zu begrenzen, werden Gebäudeversicherungen angeboten. Auf dem Markt finden sich zahlreiche Anbieter entsprechender Versicherungen, wie die LVW und die Mecklenburgische Versicherung. Befinden sich in den Gebäuden Maschinen, dann sollten Sie zudem eine Maschinenversicherung abschließen. Kommt es hier zu Schäden, dann muss schnellstmöglich für Ersatz gesorgt werden oder eine Reparatur finanziert werden. Betriebs- und Umwelthaftpflichtversicherungen gehören ebenfalls zum Standard bei der Unternehmensversicherung. Sie haften bei selbst verursachten Schäden und wenden daher Forderungen Dritter ab. Kommt es zu Unfällen, dann gefährdet die Haftung für die entstehenden Kosten ohne eine entsprechende Versicherung ebenfalls die Existenz.

Individuelle Risiken abdecken

Im Falle von Start-Up-Unternehmen ist dieser Basisversicherungsschutz in der Regel nicht ausreichend. Kreditgeber prüfen, ob im Betriebsalltag noch weitere Risiken bestehen, welche abgesichert werden müssen. Hierbei ist es üblich, dass professionelle Investoren eine Risikoanalyse durchführen. Sie bewerten im Rahmen des Risikomanagements die Risiken bei der Investition und bestimmten ein sogenanntes Projekt-Rating. Dieses entscheidet nicht nur über die Vergabe des Kredites sondern auch über die Höhe und die Konditionen. Lagern Sie die Risiken in Ihrem Startup-Unternehmen durch entsprechende Versicherungen aus, dann verbessern Sie das Projekt-Rating und somit die Finanzierung.

Die Bank als Kreditgeber – welche Versicherungen können gefordert werden?

Treten Banken als Kreditgeber für das Start-up-Unternehmen auf, dann fordern diese oftmals eine Vielzahl an verschiedenen Versicherungen zur Minimierung ihres eigenen Risikos. Hierzu gehören oftmals:

  • die Allgefahren-Sachversicherung in Kombination mit einer Allgefahren-Betriebsunterbrechungsversicherung
  • Transportversicherung
  • D & O Versicherung
  • Produkthaftpflichtversicherung

Die D & O Versicherung dient der Absicherung der Geschäftsführer und der Mitglieder des Vorstandes gegen Haftpflichtansprüche Dritter. Sie tritt daher im Falle der persönlichen Haftung dieser dem Betrieb zugeordneten Personen ein und dient somit indirekt dem Unternehmen. Die Produkthaftpflicht-Versicherung übernimmt die Kosten für Schäden, welche aus fehlerhaften Produkten hervorgehen. Hierbei können in der Praxis hohe Kosten entstehen, welche somit abgefangen werden.

Die Rechtschutzversicherung – die eigenen Interessen vertreten

Eine Rechtschutzversicherung dient der Wahrung der eigenen Interessen. Sollte das Startup-Unternehmen Forderungen gegen Dritte durchsetzen wollen, dann greift in vielen Fällen die Rechtschutzversicherung und übernimmt die daraus entstehenden Kosten. Es werden in der Regel sowohl die Ausgaben für den Rechtsanwalt als auch mögliche Gerichtskosten übernommen. Dadurch ist gesichert, dass das Unternehmen seine Rechte durchsetzen und den Geschäftserfolg sichern kann.

Kraftfahrzeugversicherungen

Verfügt das Neuunternehmen über einen Fuhrpark, dann ist eine Haftpflichtversicherung für die Fahrzeuge Pflicht. Diese übernimmt selbst verursachte Schäden an fremdem Eigentum. Allerdings umschießt sie keine Schäden am eigenen Fahrzeug. Hierfür ist der Abschluss einer Kaskoversicherung notwendig. Sie ist sinnvoll, da die Fahrzeuge in der Regel für den Geschäftsbetrieb wichtig sind und dementsprechend einsatzfähig sein müssen. Die Kosten für diese Versicherung hängen vom Fahrzeugwert bei Abschluss der Versicherung ab.

Die verschiedenen Unternehmensphasen – stets die passenden Versicherungen finden

Während sich die oben angeführten Versicherungen vorrangig auf die Betriebsphase beziehen, muss auch die Errichtungsphase des Start-up-Unternehmens angemessen abgesichert werden. Wird ein Werk aufgebaut, dann ist dies eine kritische Phase für das Unternehmen. Das Risiko, dass die Anlage einen vorzeitigen Schaden erleidet kann vertraglich auf das bauende Unternehmen übertragen werden. Hierfür ist zunächst einmal keine Versicherung notwendig. Es wird vereinbart, dass alle Schäden, die vor der Abnahme entstanden sind, vom Auftragnehmer beseitigt werden.

Die Montage-Betriebsunterbrechungsversicherung (ALoP, Advances Loss of Profit)

Allerdings entstehen beim Bau weitere Risiken, welche in der Verantwortung vom Startup-Unternehmen verbleiben. Kommt es zu einer verspäteten Abnahme, dann hat dies weitreichende Folgen für das Unternehmen, da sich die Aufnahme seiner Tätigkeit verzögert. Müssen bereits jetzt Rückzahlungen an die Investoren geleistet werden, dann stehen diesem fehlende Einnahmen gegenüber. Für diesen Fall kann eine Versicherung abgeschlossen werden, welche für Sachschäden an Anlagen haftet und auch resultierende Umsatzausfälle mit einschließt. Hierbei handelt es sich um die Die Montage-Betriebsunterbrechungsversicherung (ALoP, Advances Loss of Profit).

Die Transport-Betriebsunterbrechungsversicherung (DSU, Delay in start up)

Durch eine klassische Transportversicherung werden Waren, welche über Wasser, Land oder Luft transportiert werden, abgesichert. Die Transport-Betriebsunterbrechungsversicherung deckt Schäden ab, welche durch die verzögerte Anlieferung von Maschinen oder Gebäudeteilen entsteht. Dadurch werden resultierende Umsatzausfälle abgefangen.

Die Vertragsgestaltung der Versicherungen – Kosten und Einfluss Dritter

Beim Abschluss der Versicherungen werden die genauen Konditionen für den Individualfall bestimmt und im Versicherungsvertrag festgehalten. Diese entscheiden über die Höhe der Kosten und können durch eine möglichst genaue Definition der gewünschten Schadensabdeckung reduziert werden. Daher kommt der Gestaltung des Versicherungsvertrages eine wichtige Rolle bei der Kostenplanung zuteil und sollte mit einem dementsprechenden Zeitaufwand erledigt werden. Banken wünschen vielfach einen Einfluss auf die Vertragsgestaltung mit den Versicherungsunternehmen, um die Kontrolle zu behalten.

In einigen Fällen wird auch das sogenannte „Loss Payee Clause“ vereinbart, bei welchem eine Schadensauszahlung der Zustimmung der Bank bedarf. Da es sich häufig um größere Schadenssummen handeln kann, ist es wichtig, zuverlässige Versicherungen auszuwählen. Das Versicherungsranking kann hierbei als Grundlage hinzugezogen werden, um geeignete Partner zu finden. Die Höhe der Kosten variiert stark und hängt von der Unternehmensgröße, der Branche und dem Umfang der geschäftlichen Tätigkeit ab. Für die Festlegung der Kosten für die Rechtschutzversicherung beispielsweise prüft die Versicherungsgesellschaft das zu vermutende Risiko. Je mehr hiervon im Betrieb vorhanden sind, desto höher wird der Versicherungsbeitrag.

Hierfür ist in der Regel ein Formular auszufüllen, welches die genaue Tätigkeit und die geschätzte Anzahl an Kunden beziffert. Im Falle einer Hundeschule beispielsweise können mit Kosten von rund 500 Euro pro Jahr und Filiale bei der Rechtschutzversicherung gerechnet werden. Die geschätzten Ausgaben für die klassische Betriebs-Haftpflichtversicherung liegen in diesem Fall bei rund 400 Euro. Viele der Standardversicherungen, welche in abgewandelter Form auch im privaten Bereich anzutreffen sind, werden von großen Gesellschaften, wie der LVW, angeboten. Für die Montage-Betriebsunterbrechungsversicherung hingegen ist die Anzahl der Anbieter geringer. Nicht alle diese Versicherungen werden für jede Art von Start-up-Versicherung benötigt. Es ist im Einzelfall zu prüfen, welche Risiken bestehen und welche Auswirkungen entstehen können.

Autor

Christian Stahl


Dr. Christian Stahl

Rechtsanwalt Dr. jur. Christian Stahl ist Inhaber von KEYTERSBERG Gründungs- und Rechtsberatung.

Als langjähriger Berater innovativer StartUp-Unternehmen aus der IT-Branche konnte Dr. Stahl bereits eine Vielzahl erfolgreicher Unternehmensgründungen begleiten.

In seiner Funktion als Consultant und Rechtsbeistand ist RA Dr. Stahl bundesweit für seine Mandanten tätig.