Startup und Recht

Zu den aus Sicht der meisten Gründer weniger angenehmen Themen gehört neben Steuern, Buchhaltung und Bürokratie auch die Rechtsberatung. Die Vorbehalte sind mannigfaltig: Teuer, unverständlich, dem freien Denken hinderlich und dergleichen mehr. Doch wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, kann rechtlich saubere Lösungen für das Geschäftsmodell nutzbar machen.

Rechtsberatung grundsätzlich defensiv

Anders als etwa Marketing- oder Programmierleistungen sind rechtliche Beratungsleistungen grundsätzlich nicht auf die Produktion oder den Vertrieb (also das Geldverdienen) gerichtet, sondern auf das Verhüten von Schäden. Weil diese aber vor allem dann, wenn sie nicht eintreten, schlecht quantifizierbar sind und vor allem nicht erlebt werden, erscheint der Wert oft geringer, als er eigentlich ist. Doch über diese sehr menschliche Wahrnehmungsschwäche muss sich jedes Startup im eigenen Interesse hinweghelfen. Die schönste Idee ist wertlos, wenn das neugeschaffene Unternehmen an Rechtstreitigkeiten zugrunde geht. Ebenso wie eine funktionierende Buchhaltung, der Abschluss essentieller Risikoversicherungen oder schlicht eine Firewall ist geschäftliches Handeln ohne rechtliche Absicherung russisches Roulette.

Strategische Bedeutung des Rechts wird unterschätzt

Wenigen Startups ist aber bewusst, dass eine konsequente, vollständige Einbindung des Rechtsberaters (als Rechtsanwalt, Justitiar oder Mitgesellschafter) in die Entwicklung des Geschäftsmodells und der strategischen Fragen nicht nur Probleme verhindert, sondern vor allem Wettbewerbsvorteile generieren kann. Am Beispiel der Finanzbranche ist das leicht darstellbar. Ein rechtlich gut beratenes Startup wird jede Produktidee nicht nur beim Kunden validieren, sondern immer auch die aufsichtsrechtlichen Konsequenzen berücksichtigen. Konsequent durchgeführt, werden damit aufwendige Erlaubnisverfahren vermieden oder mindestens verkürzt und Geschäftsmodelle, die vor dem Hintergrund der Regulierung nicht tragbar sind, frühzeitig eliminiert. Ein FinTech, das sein Produkt ohne Rücksicht auf die strenge Regulierung entwirft, wird sich dagegen zeitlich und finanziell in Genehmigungsverfahren verheddern oder, noch schlimmer, scheitern. Dasselbe gilt für andere, streng geregelte Bereiche wie etwa Big Data oder alle auf der Verwertung von geistigem Eigentum aufbauenden Modelle.

Vorausschauende Planung bietet Wettbewerbsvorteile für Startups

Die enge Einbindung eines Juristen ins Team bietet aber auch weitere Vorteile. So sollte z.B. die gesellschaftsrechtliche Aufstellung eines Startup von Anfang an spätere Investoren ebenso berücksichtigen wie Mitarbeiterbeteiligungsprogramme, einen späteren Börsengang oder den Umzug ins Ausland. Generell gilt, dass spätere Änderungen nicht nur rechtlich teuer sind, sondern auch äußerst unerwünschte steuerliche Konsequenzen auslösen können. Ähnliches gilt für die Verortung von Markenrechten, Urheberrechten und Patenten. Auch deren späterer Transfer löst höhere Kosten aus, als eine frühzeitige Regelung. Weil aber umgekehrt kaum ein Startup schon bei Arbeitsbeginn gleich eine internationale, steueroptimierte Struktur errichten kann und will, braucht es die unternehmensnahe Beratung, um den richtigen Zeitpunkt zu erkennen.

Typische Rechtsthemen bei Startups

Startups haben meist einige typische Rechtsberatungsthemen, die sich aus dem Unternehmensalltag ergeben. Auf der Ebene der Beteiligten beginnt dies mit dem Gesellschaftsvertrag und der Struktur der Gesellschaft. Eng damit verknüpft sind Finanzierungserwartungen und spätere Verhandlungen mit Investoren. Auch Mitarbeiterbeteiligungsprogramme, ohne die kaum ein Startup auskommt, gehören hierzu. Dass diese wiederum eng mit den arbeitsvertraglichen Regelungen abgestimmt werden müssen, liegt auf der Hand.

Auf operativer Ebene benötigen Startups zusätzlich ihr vertragliches Grundgerüst für die Kunden (Musterverträge und AGB), die natürlich aus dem Geschäftsmodell abgeleitet werden müssen. „Muster-AGB“ gibt es nicht. Ebenso vernetzt sind Fragen der Schutzrechtestrategie. Auch sie hängen eng mit dem Geschäftsmodell und teilweise auch mit der Unternehmensstruktur (Firmierung) zusammen.

All diese Themen können juristisch und wirtschaftlich am besten gelöst werden, wenn der Rechtsanwalt nicht nur punktuell beauftragt, sondern von Anfang an in die Modellentwicklung eingebunden wird. Dies kann im Einzelfall auch in liquiditätsschonender Weise im Rahmen einer „Work for Equity“ Vereinbarung vorgenommen werden. Den entstehenden Mehrkosten stehen erhebliche Chancen gegenüber.