Befristeter Arbeitsvertrag – Was von Startups zu beachten ist

Arbeitsvertrag bei Startups

Befristeter Arbeitsvertrag – Was von Startups zu beachten ist

Aus Arbeitgebersicht ist die Anstellung von Mitarbeitern mit erheblichen Risiken verbunden. Das hohe arbeitsrechtliche Schutzniveau zugunsten der Arbeitnehmer erschwert Entlassungen erheblich, und von Arbeitnehmern als selbstverständlich betrachtete Leistungen wie etwa Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Erhalt des Arbeitsplatzes während Erziehungszeiten stellen für den Arbeitgeber erhebliche finanzielle und organisatorische Zusatzbelastungen dar. Für Startups, die weder über Personalabteilung noch ausreichend finanzielle Mittel verfügen, ist daher die Befristung von Arbeitsverhältnissen ein geeignetes und übliches Mittel, um diese Risiken gering zu halten. Bei der Befristung von Arbeitsverhältnissen sind für Startups allerdings einige Punkte zu beachten, um die Unwirksamkeit der Befristung zu vermeiden.

Befristeter Arbeitsvertrag bedarf der Schriftform

Grundsätzlich muss ein befristeter Arbeitsvertrag (anders als ein unbefristeter) schriftlich abgeschlossen werden, und zwar bereits vor Beginn des Arbeitsverhältnisses. Ein üblicher Fehler ist es, den Mitarbeiter bereits einzusetzen und im Laufe der ersten Tage dann noch den Vertrag nachzuschieben. Dann ist es für die Befristung bereits zu spät. Die Arbeitsgerichte sind hier außerordentlich kleinlich, so dass unbedingt darauf geachtet werden muss, dass der Arbeitsvertrag von beiden Parteien mindestens einen Tag vor Arbeitsbeginn unterzeichnet wird. Ein Austausch von Dokumenten über Email genügt hierfür übrigens nicht.

Befristungsabrede bei Arbeitsverträgen

Allerdings muss nicht der gesamte Inhalt des Arbeitsvertrages schriftlich abgeschlossen werden, es genügt, die Befristungsabrede als solche auf diese Weise zu dokumentieren. Das erlaubt insbesondere, im Laufe des Arbeitsverhältnisses noch einvernehmlich Änderungen auch ohne Beachtung der strengen Formvorschrift vorzunehmen, solange diese nicht die Befristung betreffen. Das Schriftformerfordernis ist auch bei späteren Verlängerungen der Befristung durch das Startup unbedingt zu beachten.

Erleichterungen für Startups

Für Startups gibt es eine Erleichterung im Arbeitsrecht, was die grundlose Befristung betrifft. Während etablierte Unternehmen maximal zwei Jahre an Befristungszeitraum ausschöpfen dürfen, können Startups Arbeitsverträge auf bis zu vier Jahre befristen. Das entspricht häufig auch der Phase, in der sich der wirtschaftliche Erfolg oder Misserfolg entscheidet, so dass im Fall der Fälle ein Personalabbau auch ohne teure, das Startup finanziell überfordernde Kündigungsschutzprozesse und Abfindungen möglich ist. Die Befristung muss dabei nicht von Anfang an auf volle vier Jahre lauten, der Arbeitsvertrag kann vielmehr auch mehrfach in Folge befristet werden. Wird der Mitarbeiter dann über den Zeitraum von vier Jahren hinaus beschäftigt, wandelt sich das befristete Arbeitsverhältnis automatisch in ein unbefristetes um.

Automatische Umwandlung des befristeten Arbeitsvertrags

Das gilt aber dann nicht, wenn es für die Befristung des Arbeitsverhältnisses einen Sachgrund gibt. Das Gesetz zählt hier verschiedene Fälle auf, deren Handhabung im Einzelfall leider durchaus risikobehaftet ist. Der in der Praxis, gerade auch für Startups, häufigste Fall ist das nur vorübergehende Bedürfnis an der Arbeitskraft des Mitarbeiters. Das gilt insbesondere für Hochphasen der Produktentwicklung, in der Mitarbeiter eingesetzt werden, um beispielsweise Code zu schreiben, Kundentests durchzuführen oder verschiedene Varianten der Produkte zu entwickeln. Später fallen solche Stellen oft weg. Kommt es allerdings über den Sachgrund für die Befristung zum Rechtsstreit, ist der Arbeitgeber, also das Startup, für das Vorliegen des sachlichen Grundes beweisbelastet. Auch hier gilt der alte Merksatz, dass Arbeitsgerichte im Zweifel stets zu Lasten der Arbeitgeber entscheiden, so dass ein Startup sich nur im Ausnahmefall auf einen Sachgrund wird erfolgreich berufen können. Deswegen sollte vorrangig von der Möglichkeit der sachgrundlosen Befristung Gebrauch gemacht werden.

Fazit

Zusammenfassend sind befristete Arbeitsverhältnisse aus Sicht des Startups ein geeignetes Mittel, um die Personalplanung der eigenen Risikophase entsprechend zu gestalten und sich vor teuren Abfindungsprozessen zu schützen.


Video: Befristeter Arbeitvertrag bei Neugründungen


Autor

Dr. Christian Stahl
Dr. Christian Stahl
Rechtsanwalt Dr. jur. Christian Stahl ist Inhaber von KEYTERSBERG Gründungs- und Rechtsberatung.

Als langjähriger Berater innovativer StartUp-Unternehmen aus der IT-Branche konnte Dr. Stahl bereits eine Vielzahl erfolgreicher Unternehmensgründungen begleiten.

In seiner Funktion als Consultant und Rechtsbeistand ist RA Dr. Stahl bundesweit für seine Mandanten tätig.

Qualifikationen
– Rechtsanwalt
– Dr. jur.